Halbjahres-Info
Mit der ersten Hitzewelle diesen Jahres sind wir auch schon beim „Bergfest“ 2026 angekommen. Da wollen wir Euch doch mal einen kleinen Blick auf unser erstes Halbjahr werfen lassen.
In dem haben wir 109 Schweinchen aufgenommen, die sich wie folgt auf die größten Kategorien verteilen:
44 Carelinge
10 ehemalige Labor-Schweinchen
15 Jungs, die bei uns kastriert wurden
15 Leihschwein-Rückläufer
Im Vergleichszeitraum 2025 fanden 104 Tiere zu uns, allerdings mit „besserer“ Verteilung. So hatten wir einen Abgabeboom zu Jahresbeginn. 35 Tiere kamen alleine im Januar „rein“ (was einem Drittel entspricht anstelle dem rechnerischen Sechstel bei linearer Verteilung). Danach mussten wir vermehrt Tiere ablehnen, bis der große Schwung aus Januar vermittelt bzw. auf den Pflegestellen verteilt war.
Damit wurden im ersten Halbjahr in Summe 84 Tiere abgelehnt.
Neben 30 Tieren aus einem größeren Notfall just im Januar, bei dem wir überhaupt nicht helfen konnten, mussten wir 35 leider überwiegend ältere, unvermittelbare Tiere ablehnen. Mit rund 140 Plätzen für unvermittelbare Tiere sind wir - von der Kostenexplosion einmal ganz abgesehen - eigentlich gut aufgestellt in diesem Bereich. Und doch reichen gerade diese Plätze hinten und vorne nicht.
In diesem Ausmaß haben das auch unsere langjährig Aktiven noch nicht erlebt bzw. ausbaden müssen. Aber sind die Ursachen? Leider kollidieren zwei übergeordnete Ereignisse und machen die aktuellen Monate / Jahre wie folgt extrem problematisch:
Einmal ist es so, dass durch die Gebührenordnungs-Anpassung in 2022 die Kostenexplosion mittlerweile bei allen guten Haltungen angekommen ist. Und wer vielleicht einen durchaus 4-stelligen Betrag für das jüngst verstorbene Tier aufgewendet hat, möchte die Gruppe eher um ein jüngeres Tier aufstocken, das - rein statistisch gesehen - erst einmal stabil ist und das Schweinchen-Sparbuch in dieser Zeit wieder aufstocken. Was natürlich völlig legitim ist und von verantwortungsbewusstem, seriösen Handeln zeugt.
Im Gegenzug vermitteln wir unsere Tiere nicht in von Unerfahrenheit, Naivität und / oder Gleichgültigkeit geprägte Haltungen, bei denen die Behandlungskosten nicht ankommen, weil sie den wöchentlichen Gesundheitscheck nicht machen, nicht zu heimtiererfahrenen Praxen fahren und die Tiere dann „völlig überraschend“ an unerkannten Erkrankungen mind. in lebensbedrohlicher Schieflage sind oder gar tot im Gehege liegen. Diese Haltungen haben faktisch keine hohen Behandlungskosten, die Tiere sind dann „einfach tot“.
Langer Rede, kurzer Sinn: selbst gesunde 4-jährige Tiere inkl. unauffälligem Seniorenröntgen sind mehr oder minder unvermittelbar und damit wären schon in Summe mehr unvermittelbare am Markt, rein durch die GOT-Anpassung.
Nun kollidieren just diese Tiere mit den Haltungseinstiegen unter Corona. Gerade die Schweine-Jahrgängen 2019-2021 sind jetzt in dem typischen Alter, in dem sie bei altershomogenen Gruppen als letzte Überlebende übrig bleiben. Und in dem Ausmaß, in
dem aktuell Ersthaltungen nach dem allerersten (!) Todesfall wieder aussteigen, haben zumindest wir das NOCH NIE erlebt. Tja, die wurden halt im Lockdown angeschafft. Jetzt haben die Leute ihre Freiheit wieder und da endet das Commitment für die kleinen Freunde, die aber leider alle einen Gnadenbrotplatz brauchen.
Guter Rat ist hier mehr als teuer. Für uns führt um moderierten Haltungsaustieg über Leihschweine kein Weg vorbei, leider „helfen“ hier noch zu wenige Organisationen mit, das in die Breite zu tragen.
Und dann bleibt wohl nur die Hoffnung, dass in 4-5 Jahren einfach in Summe weniger Tiere im Umlauf sind, die wir Vereine auffangen müssen.
Hilfe von politischer Seite wäre mehr als Willkommen, ist aber noch unwahrscheinlicher als ein genereller Rückgang in der Heimtierhaltung.
Und wo wir schon bei politischer Hilfe sind: die helfen nicht nur nicht mit unterstützenden Regularien, um das Problem „vorne“ anzupacken. Sie helfen auch hinten nicht beim finanziellen Ausbaden:
So haben wir im ersten Halbjahr einen Gewinn i.H.v. rund 3.400 € erzielt, aber nur dank der Unterstützung unserer lieben Kolleginnen der SOS-Meerschweinchen, die uns finanziell unter die Arme gegriffen haben. Ohne sie, wäre wieder ein Verlust zusammengekommen.
Es bleibt also weiterhin spannend-angespannt. Folgt uns gerne für weitere Updates und empfehlt uns weiter. Je mehr Reichweite für Aufklärung, Sensibilisierung und Spendenunterstützung, desto besser!
Kalender 2026
Frisch aus dem Druck, sie sind endlich da!
Nach unserem spanneden Fotoshooting können wir ihn endlich in der Hand halten. 😍 Was sollen wir sagen, der Cavia Care - Kalender 2026, ist einfach nur toll und einzigartig geworden. 😁
In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Kleine Schweinchen ganz groß“. Was wir uns unter diesem Motto ausgedacht haben, erfahrt Ihr ab November. Ab dem 1.11. versenden wir wieder für jede Spende ab 20 € einen unserer schönen Kalender - zum selbst Erfreuen oder auch als tolles Weihnachtsgeschenk.
Wie könnt Ihr Spenden:
- per Überweisung - schreibt hier bitte Eure Anschrift in den Verwendungszweck.
Unsere Bankverbindung lautet:
Notnager e. V. Abteilung Cavia Care
IBAN DE03 5109 0000 0035 0479 05 BIC: WIBA DE 5W - via Betterplace - schickt uns Eure Adresse hierzu bitte parallel per Mail an info(a)cavia-care.de https://www.betterplace.org/de/projects/108800-hilfe-fuer-in-not-geratene-meerschweinchen
Wir sind eine Organisation, die mit rund 50 Pflegestellen im Großraum Rhein-Main zwischen Marburg und Odenwald agiert.
Ursprünge
Auf unseren Pflegestellen finden bis zu 140 Meerschweinchen ein Zuhause. Gestartet sind wir dabei mit dem klassischen Ansatz einer Notstation:
- Aufnahme / Versorgung von Abgabetieren bis zu deren Vermittlung.
- Dauerhafte Unterbringung von nicht mehr vermittelbaren Schweinchen - bei uns die sog. Carelinge.
- Beratung zu allen Themengebieten rund ums Schweinchen, hauptsächlich zu artgerechter Haltung, Vergesellschaftung und gesundheitlichen / tiermedizinischen Fragestellungen inkl. entsprechender Öffentlichkeitsarbeit über unsere Social-Media-Kanäle.
- Koordination von Notfällen
- Vermittlung von Urlaubspflege-Plätzen
Diese Aufgaben werden von unserem achtköpfigen Organisationsteam koordiniert mit entsprechenden Themenschwerpunkten bei der jeweiligen Ansprechpartnerin, die eigentliche Betreuung der Schweinchen erfolgt auf den Pflegestellen. Ein großer Pluspunkt für unsere Arbeit ist dabei, dass fünf unserer Mitglieder im veterinärmedizinischen Bereich arbeiten, sodass wir hinsichtlich neuerer Behandlungsmethoden oder Publikationen am sprichwörtlichen Puls der Zeit sind.
Wo stehen wir heute?
Die Welt in der Heimtierhaltung dreht sich zum Glück grundsätzlich weiter. Während die Forderungen zu besseren, großzügigeren Haltungsbedingungen auch im Bereich der Meerschweinchen endlich gehört werden, führt die zunehmende Kostenexplosion in der eigentlichen Versorgung der Tiere zu einer herben Diskrepanz:
Unter den Abgabetieren (sofern sie denn nicht „einfach“ ausgesetzt werden) sind erheblich mehr kranke bzw. schwerstkranke Tiere als bislang, da den Tierchen im vorherigen Zuhause vermehrt die notwendige, zeitgemäße Versorgung verwehrt wird. In Zeiten, in denen unerfahrene Haltungseinsteigende aus allen (un)möglichen Quellen Tiere ohne Check der Haltungsbedingungen zusammentragen und ohne Untersuchung / Quarantäne vergesellschaften, kommt im Tierschutz nur noch an, was sich nicht auf Onlinemarktplätzen oder über Social Media Gruppen zu Geld machen lässt oder aus Unerfahrenheit heruntergewirtschaftet wurde: Im Tierschutz stranden im großen Stil alte, kranke und / oder fehlsozialisierte Tiere - ein trauriges tierartenübergreifendes Phänomen.
Im Gegenzug werden die zeitgemäßen Haltungen eher weniger als mehr und die Personen, die sich ihre Meerschweinchen-Gruppe weiterhin „gönnen“ können, müssen aufgrund der gestiegenen Kosten dennoch häufig die Gruppengröße reduzieren. Folglich sind selbst mittelalte Tiere mit erfolgreichem vorgezogenen „Seniorenröntgen“ kaum noch vermittelbar. Denn wer vielleicht einen drei- bzw. vierstelligen Euro-Betrag für das zuletzt verstorbene Schweinchen aufwenden musste, sucht eher ein jüngeres Tier, um in absehbarer Zeit bessere Chancen zu haben, nicht wieder in kostenintensive Behandlungen zu laufen und in dieser Zeit das Meerschweinchen-Sparbuch wieder anzufüttern. Und jene Personen, die sich um Behandlungskosten keine Gedanken machen und entsprechende Vorsorge treffen - nein, in diese Hände gehen unsere Tiere nicht. Wir würden sie im Erkrankungsfall ohnehin wieder sehen.
Und genau diese Diskrepanz aus vielen Abgabetieren und deutlich verschlechterten Vermittlungsmöglichkeiten führt dazu, dass auf unseren nun nicht gerade wenigen Pflegeplätzen rund 120 unvermittelbare bzw. schwer vermittelbare Meerschweinchen leben und der Handlungsspielraum folglich extrem begrenzt ist.
Im Gegenzug sind auch wir mit dem Problem konfrontiert, dass viele Pflegestellen ihre Tätigkeit aufgeben, da die permanente (zusätzlich zu Beruf und Familie) ehrenamtliche Versorgung von schwer- und schwerstkranken Schweinchen verbunden mit vielen Fahrten hin zur betreuenden Praxis neben einem erheblichen zeitlichen Faktor auch zu einer immensen persönlichen Belastung führt. Dies ist vielen im Vorfeld nicht klar, wenn sie sich für ehrenamtliches Engagement im Tierschutz interessieren. Viele stellen sich unter der Tätigkeit als Pflegestelle das Füttern und Misten vor. Ja auch, das ist aber ehrlicherweise der geringere, kalkulierbare Aufwand in der Pflegestellentätigkeit.
Daher sind wir über jede, insbesondere jedoch finanzielle Unterstützung, äußerst dankbar. Denn:
It‘s Time To Care!
Wir alle gemeinsam für die Kleinsten!