Jahresrückblick 2025
Heute möchten wir mit Euch - wie in jedem Jahr - einen kurzen Blick auf das ausgehende Jahr 2025 werfen.
Tierbestand:
Auch in diesem Jahr sind wir was den Tierbestand angeht, auf einem anhaltend stabilen Niveau im Vergleich zu den Vorjahren. So fanden 207 Meerschweinchen zu uns, von denen - zusammen mit den Überläufern aus 2024 -137 in ein neues Zuhause vermittelt werden konnten (Vergleich 2024: 195 zu 104). Damit hat sich die Quote der vermittelbaren Schweinchen erhöht. Dies liegt allerdings nicht daran, dass die Abgabetiere fitter sind als in den Vorjahren – im Gegenteil. Die Ursache ist weiß und hat rote Augen: Wir haben in diesem Jahr 28 Meerschweinchen aus einem Versuchslabor aufgenommen. Diese sind im Gegensatz zu „normalen“ Abgabetieren aufgrund des jungen Alters und der besonderen Herkunft noch vermittelbar.
Die übrigen Abgabetiere unterteilen sich in fünf Gruppen:
- Ein kleiner Teil war leider schon zu krank und hat den Neustart bei uns nicht geschafft. Diese Fälle sind für uns mit die tragischsten, da die Tierchen im Vorfeld furchtbar leiden mussten und so spät zu uns kamen, dass wir ihnen nicht mehr helfen konnten.
- 61 fallen in die Kategorie unserer aufgrund von Alter und oder Krankheit unvermittelbaren Carelinge.
- Neu ist die Kategorie der schwer vermittelbaren Tiere. Was im letzten Jahr noch Befürchtung war, hat sich in 2025 leider bestätigt. Aufgrund des Kostendrucks, der bei den Haltenden zwischenzeitlich voll angekommen ist, sind selbst mittelalte gesunde Meerschweinchen kaum noch vermittelbar, sofern die Personen die Haltung denn überhaupt fortführen. Das Gros an Vermittlungsanfragen, das wir erhalten, sind vielmehr Anfragen für sog. Leihmeerschweinchen.
Dass heute schon der komplette Jahrgang 2021 auf der Liste der Carelingsaspiranten steht, ist nunmehr traurige Gewissheit. Wo soll die Reise hingehen, wenn selbst diese Tiere bei uns bleiben „müssen“? Es sind einfach viel zu viele Tiere im Umlauf, um für alle gute und zeitgemäße Plätze zu finden (siehe auch unten bei den Absagen).
- Notfälle konnten wir in diesem Jahr auch zwei betreuen. Ein kleiner mit zwei Weibchen aus ungeplanter Vermehrung sowie der Aachen-Notfall mit insgesamt 20 Tieren, die zu verschiedenen Zeitpunkten im Sommer in und um Aachen ausgesetzt wurden und mit z.T. schlimmem Pilzbefall bei uns ankamen. Am ärgsten hatte es zwei Babyweibchen getroffen, die ohne Mutter, dafür aber mit jeweils deutlich unter 200 Gramm ankamen und die wir nur gerade so retten konnten.
- „Normale“ und zumindest mittelfristig vermittelbare Tiere.
Darüber hinaus sind weitere 10 Tiere im Zulauf, deren Abgabe bei uns bereits fest besprochen ist und die nach den Feiertagen peu à peu „einchecken“.
Zu diesen Abgabetieren, die zu uns kommen konnten, kamen noch einmal Anfragen zu insgesamt 163 Tieren, deren Abgabe bei uns leider nicht zustande kam. Die Zahlen zeigen, wie hoch der Bedarf ist, Tiere unterzubringen bei gleichzeitig rückläufigen Pflegeplätzen bzw. Notstationen, die ganz aufhören. Und gerade die Jungs sind durch die Kostensteigerung noch mehr denn je die Verlierer im Tierschutz. Wir versuchen nach Möglichkeit gerade auch diesen unkastrierten ein Türchen zu öffnen, aber auch unsere Pflegeplätze bei Vermittlungstieren sind begrenzt. Ständige Tierarzt-Fahrten für Eingangsuntersuchungen, Kotproben, Kastrationen und andere „leichte“ Behandlungen im Zusammemhang mit Vermittlungstieren unterschätzen viele, die sich im Tierschutz einbringen wollen. Hier braucht es schon ein großes Maß an Altruismus, um auch über Jahre in dieser Tretmühle zu strampeln.
Dabei sehen wir mit diesen ganzen Abgaben nur die sprichwörtliche Spitze des Eisbergs. Viele versuchen es erst gar nicht im Tierschutz und bei so hohen Absagezahlen ist es kaum verwunderlich, wie regelmäßig Meerschweinchen ausgesetzt werden. Dies soll nicht als Aufruf zum Aussetzen verstanden werden, sondern soll eher dazu dienen, die Lage ganzheitlich zu betrachten und als Aufruf an die „Sofa-Tierschützer“, von selbigem herunter und ins Machen zu kommen. Von empörten Wut-Posts über Aussetzen hier oder nicht artgerechter Haltung dort ist nicht einem Tier geholfen. Also wie wär‘s? Hier wäre mal ein echt guter Vorsatz für‘s neue Jahr“. Unterstützt aktiv einen Tierschutzverein in Eurer Nähe. Und dazu muss man nicht zwangsläufig Tiere beherbergen. Auch administrative Aufgaben o.ä. sind regelmäßig zu besetzen. So bei uns z.B. für unser Veranstaltungsteam:
Denn neben den o.g. Ferienopfern hatte der Sommer auch seine schönen Zeiten. Wir konnten uns wieder auf einigen Tierheimfesten präsentieren und Interessierte beraten. Leider mussten wir die Teilnahme bei zwei Festen wegen kurzfristiger Ausfälle und fehlender Nachrücker absagen.
Finanzielle Lage:
Was sich bei der Frage des Kostendrucks / der Vermittelbarkeit zeigt, hat auch ihre Spuren an unseren Finanzen hinterlassen. So kam über das Jahr ein Verlust i.H.v. 10.125 € zusammen
Wir konnten durch verschiedene Maßnahmen die finanzielle Lage verbessern und den Verein wieder in etwas ruhigeres Fahrwasser führen, das finanzielle Polster kann aber nur ganz langsam wieder aufgebaut werden. Wir sind vielmehr erst bei Stabilität auf niedrigem Niveau angekommen. Große Notfälle wie der Aachen-Notfall mit alleine 8 Kastrationen in einem Monat sind immer noch eine Herausforderung für uns und wir sind über jede Vereinsaktion dankbar, die uns neben unseren „normalen“ Spenden Geld in die Kasse spült.
Fazit:
Ende letzten Jahres haben wir uns gefragt, was die Kristallkugel wohl für uns bereithalten mag vor dem Hintergrund steigender Behandlungskosten. In der Rückschau zeigt sich hier, dass es manchmal gut ist, wenn man nicht weiß, was einen erwartet. Denn wenn es wie in diesem Jahr mehr schlechte als gute Tendenzen sind, will man die eigentlich gar nicht hören und den Kopf lieber nur in den sprichwörtlichen Sand stecken.
Und doch hilft es nicht zu verzagen, denn irgendjemand muss den kleinsten im Tierschutz ja helfen. Gerade unser finanzielles Dilemma oder die Vielzahl an un- oder schwer vermittelbaren Tieren, denen wir tatsächlich helfen konnten, zeigen nämlich auch, dass wir immer wieder mit neuen Herausforderungen konfrontiert werden, es aber immer irgendwie / irgendwo auch Lösungen dazu gibt. Wir müssen sie nur finden, manche finden sich schnell, andere sind versteckter und brauchen mehr Recherche und Kreativität.
Und so bleibt uns nur, Euch für Eure Unterstützung zu danken und gemeinsam ins neue Jahr zu starten. Wir haben 2025 bewiesen bzw. beweisen müssen, dass wir auch turbulent können. Ein bisschen langweiliger darf 2026 durchaus werden, liebe Kristallkugel! Ist das denn zu viel verlangt?
Kalender 2026
Frisch aus dem Druck, sie sind endlich da!
Nach unserem spanneden Fotoshooting können wir ihn endlich in der Hand halten. 😍 Was sollen wir sagen, der Cavia Care - Kalender 2026, ist einfach nur toll und einzigartig geworden. 😁
In diesem Jahr steht er unter dem Motto „Kleine Schweinchen ganz groß“. Was wir uns unter diesem Motto ausgedacht haben, erfahrt Ihr ab November. Ab dem 1.11. versenden wir wieder für jede Spende ab 20 € einen unserer schönen Kalender - zum selbst Erfreuen oder auch als tolles Weihnachtsgeschenk.
Wie könnt Ihr Spenden:
- per Überweisung - schreibt hier bitte Eure Anschrift in den Verwendungszweck.
Unsere Bankverbindung lautet:
Notnager e. V. Abteilung Cavia Care
IBAN DE03 5109 0000 0035 0479 05 BIC: WIBA DE 5W - via Betterplace - schickt uns Eure Adresse hierzu bitte parallel per Mail an info(a)cavia-care.de https://www.betterplace.org/de/projects/108800-hilfe-fuer-in-not-geratene-meerschweinchen
Wir sind eine Organisation, die mit rund 50 Pflegestellen im Großraum Rhein-Main zwischen Marburg und Odenwald agiert.
Ursprünge
Auf unseren Pflegestellen finden bis zu 140 Meerschweinchen ein Zuhause. Gestartet sind wir dabei mit dem klassischen Ansatz einer Notstation:
- Aufnahme / Versorgung von Abgabetieren bis zu deren Vermittlung.
- Dauerhafte Unterbringung von nicht mehr vermittelbaren Schweinchen - bei uns die sog. Carelinge.
- Beratung zu allen Themengebieten rund ums Schweinchen, hauptsächlich zu artgerechter Haltung, Vergesellschaftung und gesundheitlichen / tiermedizinischen Fragestellungen inkl. entsprechender Öffentlichkeitsarbeit über unsere Social-Media-Kanäle.
- Koordination von Notfällen
- Vermittlung von Urlaubspflege-Plätzen
Diese Aufgaben werden von unserem achtköpfigen Organisationsteam koordiniert mit entsprechenden Themenschwerpunkten bei der jeweiligen Ansprechpartnerin, die eigentliche Betreuung der Schweinchen erfolgt auf den Pflegestellen. Ein großer Pluspunkt für unsere Arbeit ist dabei, dass fünf unserer Mitglieder im veterinärmedizinischen Bereich arbeiten, sodass wir hinsichtlich neuerer Behandlungsmethoden oder Publikationen am sprichwörtlichen Puls der Zeit sind.
Wo stehen wir heute?
Die Welt in der Heimtierhaltung dreht sich zum Glück grundsätzlich weiter. Während die Forderungen zu besseren, großzügigeren Haltungsbedingungen auch im Bereich der Meerschweinchen endlich gehört werden, führt die zunehmende Kostenexplosion in der eigentlichen Versorgung der Tiere zu einer herben Diskrepanz:
Unter den Abgabetieren (sofern sie denn nicht „einfach“ ausgesetzt werden) sind erheblich mehr kranke bzw. schwerstkranke Tiere als bislang, da den Tierchen im vorherigen Zuhause vermehrt die notwendige, zeitgemäße Versorgung verwehrt wird. In Zeiten, in denen unerfahrene Haltungseinsteigende aus allen (un)möglichen Quellen Tiere ohne Check der Haltungsbedingungen zusammentragen und ohne Untersuchung / Quarantäne vergesellschaften, kommt im Tierschutz nur noch an, was sich nicht auf Onlinemarktplätzen oder über Social Media Gruppen zu Geld machen lässt oder aus Unerfahrenheit heruntergewirtschaftet wurde: Im Tierschutz stranden im großen Stil alte, kranke und / oder fehlsozialisierte Tiere - ein trauriges tierartenübergreifendes Phänomen.
Im Gegenzug werden die zeitgemäßen Haltungen eher weniger als mehr und die Personen, die sich ihre Meerschweinchen-Gruppe weiterhin „gönnen“ können, müssen aufgrund der gestiegenen Kosten dennoch häufig die Gruppengröße reduzieren. Folglich sind selbst mittelalte Tiere mit erfolgreichem vorgezogenen „Seniorenröntgen“ kaum noch vermittelbar. Denn wer vielleicht einen drei- bzw. vierstelligen Euro-Betrag für das zuletzt verstorbene Schweinchen aufwenden musste, sucht eher ein jüngeres Tier, um in absehbarer Zeit bessere Chancen zu haben, nicht wieder in kostenintensive Behandlungen zu laufen und in dieser Zeit das Meerschweinchen-Sparbuch wieder anzufüttern. Und jene Personen, die sich um Behandlungskosten keine Gedanken machen und entsprechende Vorsorge treffen - nein, in diese Hände gehen unsere Tiere nicht. Wir würden sie im Erkrankungsfall ohnehin wieder sehen.
Und genau diese Diskrepanz aus vielen Abgabetieren und deutlich verschlechterten Vermittlungsmöglichkeiten führt dazu, dass auf unseren nun nicht gerade wenigen Pflegeplätzen rund 120 unvermittelbare bzw. schwer vermittelbare Meerschweinchen leben und der Handlungsspielraum folglich extrem begrenzt ist.
Im Gegenzug sind auch wir mit dem Problem konfrontiert, dass viele Pflegestellen ihre Tätigkeit aufgeben, da die permanente (zusätzlich zu Beruf und Familie) ehrenamtliche Versorgung von schwer- und schwerstkranken Schweinchen verbunden mit vielen Fahrten hin zur betreuenden Praxis neben einem erheblichen zeitlichen Faktor auch zu einer immensen persönlichen Belastung führt. Dies ist vielen im Vorfeld nicht klar, wenn sie sich für ehrenamtliches Engagement im Tierschutz interessieren. Viele stellen sich unter der Tätigkeit als Pflegestelle das Füttern und Misten vor. Ja auch, das ist aber ehrlicherweise der geringere, kalkulierbare Aufwand in der Pflegestellentätigkeit.
Daher sind wir über jede, insbesondere jedoch finanzielle Unterstützung, äußerst dankbar. Denn:
It‘s Time To Care!
Wir alle gemeinsam für die Kleinsten!